Pferdephysiotherapie Niedersachsen


Wissenswertes:

im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu folgenden Themen:

Was ist eine Blockade?
Prävention: Muskel- und Sehnenschäden beim Pferd verhindern.
Moorbehandlungen
Akupressur/Laserakupunktur
Trainingsberatung und Reitstunden mit Videofeedback


Was ist eine Blockade?

Oft hören wir- „mein Pferde hat sich einen Wirbel ausgerenkt“. Das klingt erstmal schlimm. Aber hätte sich das Pferd wirklich einen Wirbel „ausgerenkt“, wäre es nicht mehr lebensfähig. Wenn ein Rückenwirbel „aus der Reihe“ tanzen würde, wie es im Falle des Ausrenkens wäre, wäre diese Verletzung tödlich, denn hier würde der Wirbel in den Rückenmarkskanal ragen und schwerste motorische Störungen z.B. Lähmungen hervorrufen. Sicherlich gibt es diese Erscheinung, der Laie meint jedoch im Allgemeinen Folgendes:

Stellen wir uns vor, wir reihen alle Rückenwirbel des Pferdes auf einem Gardena-Gartenschlauch auf. Der Gartenschlauch stellt vereinfacht dargestellt das Rückenmark des Pferdes dar. Nun fehlt es dieser Kette aus Wirbeln jedoch an der nötigen Stabilität. Daher verbinden wir jeden einzelnen Wirbel mit dem jeweils folgenden durch Muskeln, Sehnen und Bändern. Das ergibt schon eine sehr stabile aber dennoch flexible Verbindung und ermöglicht dem Pferd, sich der Muskulatur entsprechend zu bewegen. Wir können und auch noch weitere Muskeln dazudenken, die einzelne Wirbel überspringen und beispielsweise an anderen Teilen des Skeletts befestigt sind.

In einer Überlastungssituation zum Beispiel bei einem Sturz setzt ein Schutzmechanismus ein. Bei einer plötzlichen oder unerwarteten Bewegung wird die Muskulatur, die das Gelenk oder den Wirbel umgibt, kurzfristig überdehnt bzw. überlastet. Um das entsprechende Gelenk oder den Wirbelabschnitt zu schützen, verkürzt sich der Muskel und verbleibt in diesem Zustand. Das Gelenk oder der Wirbel kann in der Folge nicht mehr richtig bewegt werden.
Blockierte Gelenke werden schlechter mit Nährstoffen versorgt, Gelenksknorpel werden poröser und langfristig können Arthrosen die Folge sein.





Schäden an Sehnen und Muskulatur verhindern

Jede Pferdebewegung führt an bestimmten Stellen zur höchsten Belastung. Findet eine Überlastung statt, wird möglicherweise ein gesundheitliches Problem entstehen. Diese belasteten Stellen sind, vereinfacht ausgedrückt, erfahrungsgemäß an den Übergängen der Muskelansätze zu den Sehnen. Sehnengewebe, das kaum durchblutet ist, hat nur eine sehr geringe Dehnfähigkeit, ein Muskel hingegen ist meist gut durchblutet und verrichtet den größten Anteil einer Dehnung (etwa 90%).
Findet nun bei sportlichem Einsatz eine Minderdurchblutung der Muskulatur statt oder ist die Regenerationszeit nicht ausreichend, ist eine erhöhte Krampfneigung zu erwarten. Wenn dann auch noch Stoffwechselendprodukte aufgrund der Mangeldurchblutung nicht oder nur schlecht abtransportiert werden, ist mit einer Verklebung von Muskelfasern zu rechnen. Übrigens gilt dies auch für nicht angemessen trainierte Freizeitpferde, die zwar die Woche über Weidegang haben und am Wochenende z.B. auf Ausritten oder im Training überlastet werden.
Bereits kleine Verspannungen im Muskel und damit einhergehende Beweglichkeitseinschränkungen bewirken einen erhöhten Zug auf die Sehne. Bei plötzlichen Überlastungen kann dies zu Schäden an der Sehne oder am Muskel selbst führen.
Wie entwickeln sich Muskelverspannungen?

Jeder Muskel, der einen Schlag erhält, überlastet oder überdehnt wird, zieht sich zusammen, das heißt, er kontrahiert. Einige Muskelfasern verbleiben in dem zusammengezogenen, in diesem Fall verkrampften Zustand. Häufig ist nur ein kleinerer Muskelbereich von diesem Krampf betroffen, was nicht selten übersehen wird. Dennoch kann das verkrampfte Muskelareal unter Belastung nicht mehr aktiv sein und die umgebende Muskulatur übernimmt die Arbeit. Das bedeutet jedoch auch eine Mehrbelastung für diese Muskeln, die somit weiter verspannen können.
Ursachen für Muskelverspannungen können sein:

Ein verspannter Muskel ist ein verkürzter Muskel!

Durch Verspannungen verkürzt sich ein Muskel und auf die Sehnen, die am betroffenen Muskel „befestigt“ sind, wird ein ständiger Zug ausgeübt. Muskel und Sehne können nicht mehr in die Normalposition zurück. Die nur begrenzt dehnbare Sehne wird somit überlastet. Eine kurze, unglückliche Belastung reicht dann schon aus, um ernsthafte Sehnenschäden zu verursachen.

Vermeidung von Muskel- und Sehnenproblemen
Regelmäßige Massagen und Stretching, die ins normale Training integriert werden und vom Reiter /Besitzer des Pferdes selbst durchgeführt werden können sowie ein gelegentlicher Check beim Physiotherapeuten können Muskelprobleme und Sehnenschäden verhindern.

Das Ziel: mehr Beweglichkeit und Leistung
Alle physiotherapeutischen Maßnahmen verhelfen dem Pferd zu sichtbar mehr Beweglichkeit, oft schon nach der ersten Behandlung. Für Muskelprobleme eignen sich insbesondere Massagen und Stretching sowie Moorpackungen zur Lockerung und Durchwärmung des verspannten Muskelareals. Zusätzlich wird den im Moor enthaltenden Stoffen eine Heilwirkung nachgesagt.






Moorbehandlungen für das Pferd

Seit Jahrtausenden wird Moor in der Heilkunde verwendet als Schlammanwendung bei verschiedenen Krankkheiten. Moor setzt sich zusammen aus organischem Ausgangsmaterial, hauptsächlich pflanzlichem Ursprungs zusammen, das humifiziert ist.

Für die Pferdepraxis bieten sich Mooranwendungen vor allem bei muskulären Problemen im Rückenbereich an.

Dazu werden „Moorkissen“, die an der Unterseite netzförmig und durchlässig sind und an der Oberseite von einer Folie bedeckt sind, auf das Pferd gelegt. Danach werden sich selbst aufheizende Wärmeträger auf die Moorpads gelegt, so dass sich das Moor langsam aufwärmt. Darüber wird eine Decke gelegt. Nach 25-30 Minuten werden die Wärmeträger entfernt, die Moorpads und die Decke bleiben aber noch auf dem Pferd. Erst nach etwa einer halben Stunde werden auch die Moorpads entfernt, wobei die Decke noch auf dem Pferd bleibt. Die Muskulatur des Pferdes ist bis in die Tiefe durchwärmt. Verspannungen und Schmerzen im Rücken werden gelindert und können mit einer anschließenden Massage optimal behandelt werden.

Auch präventiv oder im Training bewirken die Moorbehandlungen bei Ihrem Pferd eine deutliche Entspannung im gesamten Rückenbereich, lockerere und freiere Bewegungen, bessere Biegungen sind die Folge.





Akupressur/Laserakupunktur

Bei der Akupressur werden die Akupunkturpunkte nicht über Nadeln, sondern durch Fingerdruck stimuliert. Die Laserakupunktur bietet besonders für sensible Pferde eine Alternative zur Nadeltherapie und ist wirkungsvoller und nachhaltiger als Akupressur. In der chinesischen Vorstellung bedeutet eine Krankheit eine Störung im energetischen Gleichgewicht des ganzen Organismus. Dies kann sich schon in minimalen Verhaltensänderungen und Leistungseinbußen zeigen. Die traditionelle chinesische Medizin beurteilt die individuellen Symptome des Pferdes in Kategorien einer Disharmonie von Yin und Yang in den Meridianen und kommt zur Feststellung von Störungsmustern oder Syndromen.

Qi ist die (Lebens)energie, die in Leitbahnen durch den Körper fließt. Es gibt unterschiedliche Fließrichtungen des Qi.
Meridiane werden als die Leitbahnen angesehen, durch die die Energie (Qi), wie in einem Flußbett fließt. Meridiane verlaufen in der Nachbarschaft von Blut-Lymphgefäßen und Nervenbahnen. Alle Meridiane bilden ein vernetztes Kanalsystem an der Körperoberfläche sowie im Körper.

Es gibt 12 Hauptmeridiane, die untereinander verbunden sind. Bei Störungen innerhalb des Meridiansystems , werden entsprechende Akupunkturpunkte schmerzhaft und erlauben dem Untersuchenden eine Diagnose.

Die 12 Hauptbahnen sind symmetrisch angelegt, das heißt, es gibt sie auf jeder Seite einmal. Das gleiche gilt für die auf ihnen gelegenen Akupunkturpunkte.

Jeder Meridian ist entweder Yin oder Yang zugeordnet. Es gibt 6 Yin Meridiane und 6 Yang Meridiane.

Eine Möglichkeit, eine Meridianstörung herauszufinden, besteht in dem Abtasten der Shu-Punkte. Diese werden auch als Zustimmungspunkte bezeichnet. Sie reagieren empfindlich, sobald die Organenergie oder der Meridian gestört ist.

Anhand dieser Diagnose wählt der Behandelnde bestimmte geeignete Punkte für die Akupunktur/Akupressur aus.

Akupunktur und Akupressur werden häufig belächelt. Jedoch ist nachgewiesen, dass die Punkte und Meridiane häufig mit Blut- und Lymphgefäßen oder Nervenbahnen übereinstimmen, so dass eine Wirkung über diese aus „westlicher“ Sicht zu vermuten ist.






Trainingsberatung und Reitstunden mit Videofeedback

Für viele ReiterInnen ist es interessant, sich einmal selbst auf dem Pferde zu sehen. Denn oft fühlt man anders, als es in Wahrheit aussieht. Wie reagiert das Pferd? Wie bewegt sich das Pferd in bestimmten Situationen und wie verändert sich ein Bewegungsablauf im Zusammenspiel mit welchen Hilfen? Wie trainiere ich Rücken- und Bauchmuskulatur? Welches Ausgleichstraining ist sinnvoll für ein Spring- oder Gangpferd? Neben der Beurteilung des Reiters und seiner Einwirkung ist die Erarbeitung eines individuellen Trainingsprogrammes für das Pferd oft sinnvoll. Das Videofeedback ist dabei unersetzlicher Helfer, denn es führt dem Reiter manche Probleme klar vor Augen und hilft, Lösungsansätze zu finden.